Verlustangst in polyamoren Beziehungen (Teil 2)

Teil 1 des Artikels drehte sich um die Frage, was Verlustangst eigentlich ist und wie sie entsteht. In Teil 2 möchte ich über Strategien reden, um mit der Verlustangst umzugehen – sowohl als Verlustängstlicher, als auch als Partner*in.

Hinweis: Ich habe keine psychologische Ausbildung oder ein entsprechendes Studium, kann also nur meine eigenen Erfahrungen und Erkenntnisse wiedergeben! Wenn du weitere Strategien hast, kannst du sie gerne in den Kommentaren mitteilen! 

Was also kann man gegen Verlustangst tun?

Der erste und wichtigste Schritt ist zu erkennen, dass wir an Verlustangst leiden. Klingt banal, aber wenn man nicht merkt, dass man von alten Mustern und Prägungen gesteuert wird, kommt man nie aus dem Teufelskreis heraus.

Sobald du das aber mal verstanden hast, kannst du mitgestalten! Das Problem existiert ja in unseren Gedanken, und die können wir beeinflussen. Das Ziel ist mehr Freiheit im Kopf. Das ist ein wichtiger Punkt, denn wenn du an Verlustangst (oder auch anderen Ängsten) leidest, entstehen Wünsche und Vorstellungen oft aus dieser Angstmatrix heraus. Was du möchtest, ist also schon gefärbt und womöglich gar nicht das, was du eigentlich willst. Es geht also darum, schrittweise mehr Freiheit im Kopf zu erreichen.

Und wie bitte schön geht das?

Das ist wohl die Preisfrage, denn viele Wege führen nach Rom, und ich bin auch noch unterwegs. Eine schnelle Zauberlösung habe ich also nicht für dich.

Ein wichtiger Schritt wäre, das konkrete, alte Muster zu identifizieren. Diese alten Muster sind meist einfache Muster und Glaubenssätze, da sie in frühen Lebensjahren entstanden sind, sei es durch den Erziehungsstil der Eltern oder ein Trauma. Da ich kein Psychologe bin, möchte ich auch keine falschen Tipps geben. Ich persönlich habe mich intensiver mit dem „Inneren Kind“ beschäftigt und konnte so Schlüsselelemente meiner ganz persönlichen Geschichte finden. Mein geliebter Opa verstarb völlig unerwartet, als ich sechs Jahre alt war. Das hat definitiv viel mit meiner Kinderpsyche angestellt. Er war einfach von heute auf morgen weg, mein geliebter Opa …

Die gute Nachricht ist, dass wir durch neue Erfahrungen unser Gehirn neu konditionieren können. Es heißt zwar, dass tiefe Prägungen der ersten zwei Lebensjahre irreversibel sind, wir sie also nicht mehr auflösen können, aber wir können eine Art „Parallelautobahn“ der Gedanken und Emotionen etablieren und so das alte Programm ganz gut kompensieren.

Mein aktueller Weg besteht darin, dass ich immer dann, wenn ich wieder in das alte Muster verfalle und mich dabei ertappe, meine Gedanken stoppe. Ich sage mir, dass ich so nicht mit der Verlustangst umgehen möchte, denn die gehört nicht ins Hier und Jetzt, sondern zu Mama und Papa und vielleicht zu meinem Opa. Ich sage mir, dass ich heute erwachsen und ein freier Mensch bin. Ich kann selbst meine Beziehungen gestalten.

Mit der Technik versuche ich, mich ins Hier und Jetzt zu katapultieren. Wenn Lou in der Nähe oder erreichbar ist, dann hilft es mir auch, mit ihr zu reden. Ihr mitzuteilen, dass ich gerade mein altes Programm abspulen möchte. Allein das löst oft die „Attacke“ wieder auf. Ich bin dem alten Gefühl also nicht wehrlos ausgeliefert.

Mal klappt das besser, mal schlechter.  Wichtig ist auch gerade für Verlustängstliche zu begreifen, dass eine Beziehung auch mal einen Konflikt aushält. Wenn man bereit ist, seine Themen und Ängste anzupacken, dann kann eine Beziehung das locker schaffen.

Es gibt aber auch noch jede Menge anderer Lösungsstrategien. [Hier fehlt noch was …]

Und wie gehe ich als Partner*in eines Verlustängstlichen damit um?

Als Verlustängstlicher kann ich nur für Verständnis plädieren. In einem Podcast von Stefanie Stahl hörte ich, dass die Gehirne von Verlustängstlichen ziemlich mit Dopamin verseucht sind. Dopamin ist das Hormon des „Haben Wollens“. Es treibt Süchtige an. Als Verlustängstlicher wünscht man sich nichts sehnlicher, als Zeit mit dem Partner zu verbringen, denn in der gemeinsamen Zeit hat man gefühlt die Kontrolle. Dopamin wird dadurch ausgeschüttet und verstärkt das Muster. Ein Teufelskreis.

Und hier komme ich zu polyamoren Beziehungen zurück, denn in solchen entzieht sich ein viel größerer Teil, nämlich die weitere Partnerschaft des Partners, der Kontrolle, was belastend sein kann. Wenn Lou mit Maki Zeit verbringt, hilft es mir, wenn sie mir das Gefühl gibt, ich bin trotzdem geliebt. An guten Tagen brauche ich wenig Unterstützung, an schlechten mehr. Für mich hat es sich etabliert, ihr an schlechten Tagen das auch zu kommunizieren. Dann weiß sie Bescheid und kann reagieren.

Aber auch hier ist wichtig: Der/die Partnerin ist nicht der Problemlöser. Die Verlustangst kannst nur du selbst auflösen, aber deine Lieben können dich auf dem Weg unterstützten. Und das klappt in jeder Art von Beziehung.

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