Reich oder weise?

In einer Zeitschrift entdecke ich eine Passantenumfrageauswertung. Sieben Menschen zwischen 20 und 50 antworteten auf die Frage, ob sie lieber reich oder weise wären. Zu meinem großen Erschrecken antworteten 3 von den 7, dass sie gerne „weise“ wären, weil sie dann wüssten, wie sie „reich“ werden könnten.

Kann man allein durch „Weisheit“ reich werden? Will man das überhaupt, wenn man weise ist? Ich möchte hier nicht die Antwort geben, ich will mich schließlich mit „Weisen“ nur bedingt gleichstellen (diese niveaulosen Biester), aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die Weisen Besseres zu tun haben als Geld anzuhäufen. Meine Vorstellung von „Weisheit“ sieht eher nach Diogenes aus, wobei ich auch keinem Reichen Weisheit absprechen möchte. Das eine schließt das andere nicht aus, aber einem Weisen ist der Wert des Reichtums bewußt.

Wie würde ich die Frage beantworten: Sowohl das eine als auch das andere scheint erstrebenswert. Reich und primitiv (ich verwende „primitiv“ einfach mal als Gegenteil von „weise“, passt vielleicht nicht haargenau, aber immer noch besser als „dumm“) erscheint mir glücksbringend. Ein leichtes Leben mit nicht allzu tiefgehenden Gedanken bietet wenig Nahrung für depressive Sinngrübeleien. Und man macht sich auch keine Gedanken darüber, ob man nur deswegen sein Glück nicht verliert. Auf der anderen Seite fällt mir kein Nachteil von „weise“ ein. Selbst wenn man durch seine „Weisheit“ irgendwie geartete Mängel erleiden sollte, scheint man doch damit umgehen zu können.

Die Möchtegernweisen, die so zu Möchtegernreichen werden, haben dieses jedenfalls nicht verstanden. Die Zeitungsredaktion wahrscheinlich auch nicht, schließlich stellt man seine Meinung durch die Auswahl von Zitaten dar. Aber vielleicht gabs auch nicht mehr andere Stimmen. Dann bekomm ich aber Angst. Mag mich jemand entängstigen?

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