Ein BH auf einem Buchcover – Prüderie im Jahr 2024

Das große A sperrt unser Buchcover wegen eines BHs: Die biedere Seite von 2024

Manchmal fragt man sich, ob wir wirklich im Jahr 2024 leben, oder ob wir versehentlich in die prüden 1950er Jahre zurückgebeamt wurden. Das große A hat tatsächlich unser Buchcover für Werbung gesperrt, weil darauf ein BH abgebildet ist. Ja, richtig gehört – ein BH! Kein Nacktbild, nicht mal ein Foto, einfach nur ein Stück Stoff, das Teil fast jeder Damenunterwäsche ist. Dazu noch illustriert im Vektorstil. Wir reden also von einer Farbfläche mit ein paar bunten Punkten darauf. Willkommen in der neuen Ära der Biederkeit.

Ein Blick auf die Situation

Die Geschichte beginnt ganz harmlos: Wir veröffentlichen nach langen Monaten der Arbeit unseren ersten Roman „Love unconventionally: Leb, wie du es willst. Das Cover zeigt die Illustration einer Frau im BH, die sich einen pinken Pulli über den Kopf zieht. Für uns kein Provokationsversuch, keine sexistische Darstellung – nur eine alltägliche Szene, die das Thema des Buchs – persönliche Freiheit und Entwicklung dorthin – aufgreift. Doch als wir unsere Werbekampagne starten wollen, wird sie nicht genehmigt. Der Grund? Der BH sei unangemessen und könne Anstoß erregen. Wir verstoßen damit gegen die Werberichtlinien.

Das Jahr 2024 ruft: „Wirklich jetzt?“

In einer Zeit, in der Filme, Serien und sogar Nachrichtenmagazine unverblümt über alle möglichen Themen berichten, scheint es absurd, dass ein BH zum Problem wird. Das ist das gleiche Kleidungsstück, das in jeder Dessous-Abteilung zu finden ist, das im Sommer unter Spaghettiträgern hervorschaut und das viele Frauen täglich tragen. Und genau dieser BH wird nun zur Kontroverse. Kolleginnen und Kollegen raten, aus dem BH einen Bikini zu machen. Das würde nicht gegen die Richtlinien verstoßen. Okay, also gestalten wir das Cover um, entschieden uns aber für ein noch unvervänglicheres Top. Wieder wird das Cover abgelehnt. Diesmal mit der Begründung: Es wäre eine Ausziehpose auf dem Cover zu sehen. Ein No-Go. Da wir unseren Roman aber bewerben wollen und darauf angewiesen sind, ändern wir also zum zweiten mal das Cover. Diesmal ist eine Frau von oben zu sehen. Sie trägt einen riesigen gelben Sonnenhut und liegt an einem fiktiven Strand. Keinerlei Ausziehpose mehr. Was passiert? Das Cover wird abgelehnt. Wieder legen wir Einspruch ein und Überraschung: jetzt sind wir werbekonform und dürfen das Buch bewerben.

Das kannst du dir nicht ausdenken

Während in sozialen Netzwerken Bilder von halbnackten Fitness-Gurus und Influencerninnen millionenfach geliked werden, OnlyFans boomt und in fast jedem Clip Brüste oder sexuelle Inhalte zu finden sind, wird ein Buchcover, das einen BH oder eine Ausziehpose zeigt, als unpassend abgestempelt. Der Witz: Wir schrieben das Buch ja inhaltlich, um die Menschen zu mehr persönlicher Freiheit zu bewegen. Wenn wir aber nicht mal das Buch bewerben können und niemanden erreichen, wird sich nie etwas ändern.

Biederkeit oder Doppelmoral?

Die Grenze zwischen Anstand und Doppelmoral ist offensichtlich schwer zu ziehen. Auf der einen Seite sollen wir modern, offen und tolerant sein. Auf der anderen Seite stolpern wir über einen simplen BH, der gegen Werberichtlinien eines Weltkonzerns verstößt. Das wirkt nicht nur lächerlich, sondern auch widersprüchlich.

Unser Fazit: Mehr Offenheit, weniger Kleinlichkeit

Liebe großes A, das unser Buchcover gesperrt hat: Es ist an der Zeit, im Jahr 2024 anzukommen. Ein BH ist kein Skandal, sondern Alltag. Und wenn wir beginnen, selbst die harmlosesten Dinge zu zensieren, verlieren wir nicht nur unsere Offenheit, sondern auch unseren gesunden Menschenverstand. Lassen wir die Biederkeit hinter uns und konzentrieren wir uns auf mehr Toleranz, mehr Freiheit und einen entspannten Umgang mit alltäglichen Dingen.

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